Instrumentenbauer
Erstmals erwähnt 1764 in La Chaux-du-Milieu (NE), jüngster Beleg 1786 im selben Ort, reformiert, aus La Chaux-du-Milieu (damals Gemeinde Le Locle). Es ist unklar, ob es sich um eine Einzelperson oder um zwei Brüder handelt. Namensvarianten: Jeanneret(-Gris?), J. (möglicherweise Jacques, Jérémie, Jacob oder Isaïe). Er stammt vermutlich aus einer Uhrenmacherfamilie und war womöglich verwandt mit dem ebenfalls aus La Chaux-du-Milieu stammenden Jean-Jacques Jeanneret-Gris (1755–1827), Uhrmacher und Erfinder. Beim im Neuenburger Jura stark verbreiteten Familiennamen Jeanneret wurden Zusätze wie Gris verwendet, um die Zweige auseinander zu halten. Gemäss Zeitdokumenten war La Chaux-du-Milieu ein Zentrum für den Instrumentenbau, wobei dieser werkzeug- und handwerkmässig zahlreiche Überschneidungen mit der Uhren- und Pendulenmacherei aufweist.
Der Instrumentenbauer J. Jeanneret, der wahrscheinlich ebenfalls Uhrmacher oder Pendulier war, zeichnete seine Instrumente mit «JJ-R/I I-R». Gemäss Girard (2001) könnte es sich auch um ein Geschwisterpaar mit einem mit «R» beginnenden Nachnamen handeln, da die Signatur auf einem Musettenbass (Sarasota, USA) und einem Liebesfagott (Môtiers, NE) «I F-R» lautet und die beiden Instrumente eine ähnliche Machart wie die Instrumente von «I I-R» aufweisen. Die Identität des Instrumentenbauers beziehungsweise der Instrumentenbauer hinter der Signatur «I I-R» ist bislang nicht abschliessend geklärt.
Jeanneret war zu seiner Zeit ein renommierter Hersteller von oboenartigen, Musette genannten Blasinstrumenten (Namen der Instrumente lauten: dessus de musette, taille de musette, basse de musette, basson d’amour, hautbois d’église, trompette d’église). Heute sind weltweit 32 mit «I I-R» signierte Instrumente bekannt. Mit zehn Liebesfagotten, zwei Oboen, einem Tenor und 19 Bässen sind diese die Einzigen der Familie der Musetten, die zahlenmässig eine Serie darstellen. Die sorgfältige Machart mit wertvollen Materialien und die Seltenheit der mehrheitlich wohl nur während ein paar Dutzend Jahren benutzten Instrumente dürften zu deren Erhaltung sowie zur Aufnahme in namhafte Museumssammlungen beigetragen haben (Museen Aachen, Basel, Bern, Burgdorf, Delémont, Genf, La Sagne, London, München, Neu York, Paris, Zürich; weitere Exemplare in der Kirche Sornetan; Privatbesitz Bern und Huttwil).
Irène Minder-Jeanneret: "Jeanneret, J.", in: Dictionnaire de la musique en suisse, Version du: 10.04.2026. En ligne: http://mls-dms.ch/view/jeanneret-j-dnBl. Consulté le 14.04.2026.