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Rytz-Jaggi, Agathe

Pianistin und Musikpädagogin

Agathe Rytz-Jaggi, Schwarzenburg 1991. Foto Peter Zbinden, Schwarzenburg.

Copyright Peter Zbinden

*11.02.1947 in Bern, †15.03.2008 in Bern, reformiert, von Gsteig bei Gstaad (BE). Tochter des Friedrich Jaggi, Dr. med., Psychiater, und der Hanni geborene Gerber, Kinderpflegerin. ⚭1990 Gerhard Rytz, Dr. phil., Chemiker. Das Ehepaar hatte keine Kinder.

Die Jugend- und Schulzeit verbrachte Agathe Jaggi in Bern. Ab 1955 erfolgte erster Klavierunterricht bei der Mutter, später bei Blanche Brun und von 1961–1967 bei Janka Brun am Konservatorium Bern. Nach der Matura 1966 folgte das Berufsstudium für Klavier am Conservatoire de musique in Genf bei Louis Hiltbrand mit den Abschlüssen Diplôme de capacité professionnelle 1970 und dem Deuxième Prix de Virtuosité 1973. Anschliessend besuchte sie Kammermusik- und Meisterkurse bei Carlo Zecchi, bei Edith Oppens, bei Menahem Pressler, Jürg Wyttenbach und Christoph Lieske. Später bildete sie sich unter anderem bei Jörg Ewald Dähler im Spiel historischer Tasteninstrumente weiter.

Von 1974 bis 2007 unterrichtete Rytz-Jaggi Klavier am Konservatorium Bern sowie Klavier im Nebenfach an der Hochschule der Künste Bern. Von 1978–1988 war sie zudem für die didaktisch-pädagogische Berufsausbildung von Pianistinnen und Pianisten an der Musikschule Bern zuständig. 1989 wirkte sie als Mitinitiantin des Berner Meisterkurses für Klavier und Komposition von György und Márta Kurtág. Eine Vortragstätigkeit im Rahmen der European Piano Teachers Association (EPTA) und die Konzeption von Lehrgängen für Klavier im Nebenfach an der Berufsschule Bern (1999–2005) ergänzten Rytz-Jaggis musikpädagogische Tätigkeit.

Als Solistin trat sie 1974 mit Beethoven-Sonaten im Rahmen des Menuhin Young Artists Music Festival Saanen auf. Im Folgejahr spielte sie das Concertino für Klavier und Orchester von Arthur Honegger mit dem Berner Symphonieorchester unter Bernhard de Quervain und 1978 das Concertino für Klavier und Orchester von Luc Balmer mit der Camerata Bern unter Alexander van Wijnkoop. Die Pianistin pflegte Kontakte mit Komponisten des In- und Auslandes, darunter Christian Henking, Michel Hostettler, Norbert Moret und György Kurtág.

Als Kammermusikerin gewann Rytz-Jaggi 1972 zusammen mit dem Klarinettisten Thomas Friedli den 1. Preis am Concours International de Musique de Genève. Nebst Auftritten in der Schweiz trat sie mit diversen Ensembles unter anderem in Paris, Köln, Bergisch Gladbach (DE), Kalteneck (DE), Ossiach Villach (AT), Rignana (IT), Calonge (ES) und Dhaka (BD) auf. Besondere Aufmerksamkeit schenkte sie dem Repertoire für Viola und trat unter anderem mit Bruno Giuranna (1980) und mit Heinrich Forster (1988) auf. 1985 spielte sie mit dem Berner Bläserquartett die Uraufführung von Franz Tischhausers Die Bremer Stadtmusikanten, einem Auftragswerk der Stadt Bern. Eine langjährige Zusammenarbeit mit der Flötistin Marianne Keller Stucki und der Klarinettistin Sylvia Schwarzenbach (Trio Sorop; 1979–2007) fruchtete in einer CD-Aufnahme mit Werken des Schweizer Komponisten Joseph Lauber (1997). Ein weiterer Schwerpunkt des Trios war zudem die Musik von komponierenden Frauen. Als Liedbegleiterin arbeitete Rytz-Jaggi regelmässig mit Elisabeth Mattmann, Sopran, zusammen, wobei sie oft kammermusikalische Elemente mit Literarischem verband. Ein Höhepunkt dieser Zusammenarbeit war die Aufführung von Lili Boulangers Clairières dans le ciel, 13 mélodies sur des poèmes de Francis Jammes anlässlich des hundertsten Geburtstages der Komponistin (1993).

Auteur(s): Gerhard Rytz-Jaggi, dernière modification 04.03.2026

Nachlass

  • Privatarchiv Gerhard Rytz-Jaggi (Bern).
  • Burgerbibliothek Bern, Archiv und Handschriftenbibliothek.
  • Familienarchiv Rytz (Familiendokumente, Fotos, Portraits und Alben, Zeugnisse und Diplome).

Literatur

  • Keller Stucki, Marianne, und Sylvia Schwarzenbach. «Zwei Nekrologe im Andenken an Agathe Rytz-Jaggi». In Soroptimist Information, Nr. 2 (Mai 2008): 36.
  • Wildbolz-Jaggi, Hanni. In memoriam Agathe Rytz-Jaggi. Bern, 2008.

Publikationen

Tondokumente

  • Pagine famose per flauto. Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Sebastian Bach, François Couperin, Jean Françaix, Christoph Willibald Gluck, Benyamin Godard, Jean-Marie Leclair, Nikolaj Andreevic Rimsky-Korsakov, Jean Rivier, Georg Philipp Telemann. Heidi Indermühle (Flöte), Agathe Jaggi (pianoforte). LP. Dischi ECO 654 C, 1981.
  • The Beggar’s Concerto für Klarinette und Streichorchester, Die Bremer Stadtmusikanten. Werke von Franz Tischhauser. Thomas Friedli (Klarinette), Orchestre de Chambre de Lausanne, Armin Jordan (Leitung), Christian Studler (Flöte), Pierre Rosso (Oboe), Albrecht Kunz (Fagott), Agathe Jaggi (Klavier). CD. Claves 50-8712; Radio Suisse Romande, Espace 2, 1987.
  • Swiss composers 3: Joseph Lauber. Werke von Joseph Lauber. Elisabeth Mattmann (Soprano), Marianne Keller-Stucki (Flöte), Sylvia Schwarzenbach (Klarinette), Agathe Rytz-Jaggi (Klavier), Trio Sorop. CD. Musica Helvetica, Vol 97.2. Musica Helvetica, SBC (Swiss Broadcasting Corporation) MH CD 97.2, 1997.
  • Souvenirs d’enfance. Werke von Serge Bortkiewicz, Déodat de Séverac, Annette Dieudonné, Joaquín Turina. Agathe Rytz-Jaggi (Klavier). CD. Bern: Tonlabor Fabio Oehrli (nicht im Handel), 2005.
  • Vier Klavierstücke aus «Loutky» von Bohuslav Martinů: Zur Erinnerung an die Pianistin Agathe Rytz-Jaggi. Werke von Bohuslav Martinů. Agathe Rytz-Jaggi (Klavier). CD. Bern: Tonlabor Fabio Oehrli (nicht im Handel), 2008.

Suggestion de citation

Gerhard Rytz-Jaggi: "Rytz-Jaggi, Agathe", in: Dictionnaire de la musique en suisse, Version du: 04.03.2026. En ligne: http://mls-dms.ch/view/rytz-jaggi-agathe-Posz. Consulté le 07.03.2026.