Brettzither aus dem Kanton Glarus

Das Glarner Zitherduo Erika Bäbler und Albin Lehmann, Mollis (GL), 1980. Foto: Dany Gignoux.
Der von der Mittenwalder Zither hergeleitete Zithertyp wird in der Schweiz nach dem Kanton seiner Verbreitung, dem Ostschweizer Kanton Glarus, Glarner Zither genannt.
Der Resonanzkasten dieser Brettzither ist ähnlich wie jener der Gitarre auf beiden Längsseiten eingezogen und mit doppelten oder einfachen Saiten bespannt. Die Decke ist mit einer kreisrunden Schallöffnung und einem mit Bünden unterteilten Griffbrett versehen. 3–4 ein- oder zweichörige Melodiesaiten und 8–11 freie Begleitsaiten laufen vom Riegel auf der Decke an Stifte im schräg platzierten Wirbelstock.
Die Resonanzkästen der Glarner Zithern verschiedener Erbauer sind etwa 60 cm lang und in der Mitte rund 32 cm breit. Die Melodiesaiten sind auf A4 und D4 gestimmt. Neben dem oberen Saitenpaar in gleicher Stimmung ist die untere Saite ein-, seltener zweichörig. Die Begleitsaiten sind über anderthalb Oktaven von c3–G4 gestimmt.
Der Instrumentenmacher Salomon Trümpy (1818–1894) baute Glarner Zithern aus Tannen- und Ahornholz, die sich an einem S-förmigen Wirbelstock mit Aufhängeloch erkennen lassen. Kaspar Dürst stellte zwischen 1890 und 1930 unzählige mit Nussbaumholz furnierte Glarner Zithern her.
Zum Spiel wird die Glarner Zither mit dem Griffbrett parallel zur Tischkante platziert. Durch Niederdrücken der Finger der linken Hand auf die Melodiesaiten über dem Griffbrett lässt sich die schwingende Saitenlänge verkürzen und der Grundton erhöhen. Die Melodiesaiten werden mit einem Zitherring aus Metall oder Kunststoff am rechten Daumen, die Begleitsaiten mit den blossen Fingern der rechten Hand gezupft.
Die Glarner Zither unterscheidet sich in ihrer gitarrenähnlichen Form von der Schwyzer Zither, einer lyraförmigen Doppelzither. Der Klang der Glarner Zither, bedingt durch das Zupfen einzelner Saiten ist gesanglicher als jener der Schwyzer Zither, deren Saiten alle miteinander mit einem Plektrum (Spielblatt) geschrappt werden.
Historisch konnten sich vor allem Textilarbeiterinnen eine Glarner Zither, gedruckte Notenhefte und Unterricht leisten. Die bis Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitete Tradition war danach rückläufig und wurde erst durch den Vorarbeiter und Zitherspieler Albin Lehmann (1924–1995) aus Näfels, der alte Glarner Zithern kaufte, reparierte und Unterricht gab, wiederbelebt.
Die Glarner Zither wird nach wie vor als Soloinstrument, aber auch im Duo oder Trio mit 2–3 Glarner Zithern oder in volkstümlichen Ensembles mit Schwyzerörgeli und Bass gespielt, ist aber nie ein Musikinstrument der Neuen Volksmusik geworden.
Brigitte Bachmann-Geiser: "Glarner Zither", in: Dizionario della musica in Svizzera, Versione del: 30.08.2026. Online: http://mls-dms.ch/view/glarner-zither-3qwy. Consultato il 05.09.2026.