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Nägelin, Johann Nepomuk

Organist und Chorleiter

=07.07.1733 in Rapperswil (SG), †25.07.1783 in Solothurn, katholisch, von Rapperswil. Namensvariante: Nägeli. Sohn des Franz Peter, Deutsch-Schulmeister, Musiker und seit 1726 Organist, und der Maria Elisabeth geborene Uttiger von Rapperswil. ⚭1754 Maria Basilia Greith von Rapperswil (1737–1764). Vater von Joseph Anton (1757–1812), ab 1797 Erster Organist und Kaplan am Stift St. Urs in Solothurn, ab 1806 in Rapperswil, und von Maria Catharina Josepha (1758–1829). Sechs weitere Kinder erreichten das Erwachsenenalter nicht.

Nägelin erhielt seine musikalische Ausbildung vermutlich beim Vater, eventuell besuchte er die Lateinschule Rapperswil. Er war Mitglied der «Bruderschaft der hl. Cæcilia und hl. Catharina vulgo der Sänger und Musikanten». Nach dem Tod der Ehegattin 1764 trat Nägelin in den geistlichen Stand, als Kaplan wurde er 1769 Organist und vermutlich auch Chorleiter im Stift St. Urs in Solothurn. Zu Beginn des Schaffens in Solothurn, 1769, ist seine Mitwirkung als Orgelexperte bei der Erbauung der neuen Orgel des Stifts St. Urs belegt.

Unter den erhaltenen Kompositionen ist ein in Rapperswil entstandenes Concerto pastorale, ein Singspiel, 27 Hymnen für die Kirchenfeste, drei Sammlungen liturgischer Kompositionen mit insgesamt 20 Magnificat und 31 Salve Regina mit Ave Maria. Eine Nägelin zugeschriebe Sinfonie in D-Dur, aufbewahrt im Kloster Einsiedeln, ist aus stilistischen Gründen dem Sohn Joseph Anton Nägelin zuzuordnen.

Nägelins Werke sind Gebrauchsmusik für kirchliche Anlässe, typisch für ein florierendes Musikleben abseits der grossen Zentren. Stilistisch gehört er zur süddeutschen Frühklassik, noch stark dem Generalbass verpflichtet. Der Satz ist immer homophon, die Harmonik einfach; bemerkenswert sind Vielfalt und Ausgewogenheit der formalen Gestaltung. Zeitgenössische Berichte über Nägelins Schaffen sind nicht bekannt. Vier vermutlich autografe Manuskripte liegen in der Zentralbibliothek Solothurn (ZBS), wo seine Werke seit 2011 in kritischen Editionen herausgegeben worden sind.

Autor/innen: Verena Bider, Hans-Rudolf Binz, versione del 04.03.2026

Quellen

  • Staatsarchiv Solothurn. Stiftsprotokolle St. Ursenstift 1756–81 und 1782–90, Kirchen und Glogen Comision Prothocol 1760–1781.
  • Stadtarchiv Rapperswil-Jona. Tauf-, Ehe- und Sterberegister, Bruederschaftsbuch der Herren Musicanten de A°. 1737, Index Protocoll (1673–1753) und Raths Protocoll.

Literatur

  • Allgemeine Musikgesellschaft Zürich. Katalog der gedruckten und handschriftlichen Musikalien des 17. bis 19. Jahrhunderts im Besitze der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich, redigiert von Georg Walter. Zürich: Allgemeine Musikgesellschaft, 1960.
  • Banholzer, Max. «Die Choraulen von St. Ursen Solothurn: Geschichte der Solothurner Singknaben: Im Rahmen der solothurnischen Schul- und Kirchengeschichte.» Jahrbuch für Solothurnische Geschichte 77 (2004): 7–146.
  • Binz, Hans-Rudolf. «Johann Nepomuk Nägelin: nicht nur Weihnachtliches. Wiederentdeckte Schweizer Musik des 18. Jahrhunderts». Musik und Gottesdienst 67 (2013): 248–256.
  • Binz, Hans-Rudolf. «Kennen Sie Johann Nepomuk Nägelin? (Ein Schweizer Komponist des 18. Jh.)». Musik und Liturgie 137, Heft 5 (2012): 15–19.
  • Caecilia Musikgesellschaft Rapperswil. Jubiläumsschrift der Caecilia Musikgesellschaft Rapperswil (250 Jahre Bruderschaft der heiligen Cæcilia und Katharina Rapperswil 1737–1987). Rapperswil: Caecilia Musikgesellschaft, 1987.
  • Dietschi, Hugo. Orgel-, Klavier- und Geigenbaukunst im Kanton Solothurn. (Sonderdruck Solothurnisches Sänger- und Musikblatt). Solothurn: Vogt-Schild, 1941.
  • Refardt, Edgar. Historisch-Biographisches Musikerlexikon der Schweiz. Leipzig-Zürich: Hug, 1928.
  • Schubiger, Anselm. Die Pflege des Kirchengesanges und der Kirchenmusik in der deutschen katholischen Schweiz. Einsiedeln: Benziger, 1873.

Werke

  • RISM Catalog: 30002307
  • Singspiel Der Bruder=Haß, Oder: Kain und Abel, für die Aufführungen des Jesuitentheaters Solothurn September 1770 komponiert (verschollen).
  • Canticum Marianum (1770). 15 Salve Regina mit Ave Maria für 4 Singstimmen, 2 Violinen, 2 Hörner und Continuo (ZBS).
  • VIII Magnificat (1772) für 4 Singstimmen, 2 Violinen, 2 Clarinen bzw. Hörner und Continuo (ZBS).
  • XXVI Hymni Sacri (1772) für 4 Singstimmen, 2 Violinen, 2 Hörner und Continuo (enthält tatsächlich 27 Hymnen) (ZBS).
  • Philomela Mariana (1775). 12 Magnificat und 15 Salve Regina mit Ave Maria für 4 Singstimmen, 2 Violinen, Viola (Salve Regina), 2 Hörner und Orgel bzw. Continuo (Zentralbibliothek Zürich).

Neuausgaben

  • Magnificat Nr. 1 in D-Dur, Magnificat Nr. 7 in F-Dur, Salve Regina mit Ave Maria Nr. 8 in C-Dur, herausgegeben von Hans-Rudolf Binz (Musik aus der Sammlung der Zentralbibliothek Solothurn 4–6). Bern: Müller & Schade, 2012–2013.
  • Concerto pastorale in D-Dur für Cembalo, 2 Violinen, Violoncello und 2 Hörner, herausgegeben von Hans-Rudolf Binz. Bern: Müller & Schade, 2011, revidiert 2020.

Citazione suggerita

Verena Bider, Hans-Rudolf Binz: "Nägelin, Johann Nepomuk", in: Dizionario della musica in Svizzera, Versione del: 04.03.2026. Online: http://mls-dms.ch/view/naegelin-johann-nepomuk-2Urv. Consultato il 07.03.2026.