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Thöni, Maurice

Akkordeonist, Komponist, Dirigent und Verleger

*01.03.1897 in Lausanne, †08.11.1980 in Lausanne, von Brienz (BE), reformiert. Sohn des Felix Thöni von Brienz und der Marie Stoll von Schwarzenburg (BE), das siebte von acht Kindern. ⚭1922 Jeanne Indermühle aus Amsoldingen (BE). Vater von Raymond (1927–1945 [Verkehrsunfall], Kompositionsschüler von Hans Haug) und Jeanne (1925–2019).

Maurice Thöni wuchs in Lausanne auf, wo er im Kindesalter auf einer diatonischen Harmonika eines Bruders – zuerst heimlich – autodidaktisch das Musizieren erlernte. Seine musikalische Begabung wurde früh erkannt und bereits mit sieben Jahren trat er in Frankreich und in der Schweiz öffentlich auf. Nach der Grundschule entschied er sich für eine Laufbahn als Berufsmusiker.

Konzertkarriere

Bereits als 17-Jähriger trat er 1914 an der Landesausstellung in Bern auf. In seinen jungen Jahren war Thöni in verschiedenen Formationen in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland auf Tourneen: mit dem Trio Emile Vuagniaux, mit Gottfried Stucki und mit seinem italienischen Partner Piccoli. 1920 trat er dem Ensemble La Musique champêtre de Huémoz bei, einer international konzertierenden Formation, welche auch auf dem Schallplattenmarkt erfolgreich war. Für dieses von Otto Held gegründete und geleitete Ensemble schrieb Thöni viele Kompositionen und Arrangements. Von 1929 bis 1939 trat Thöni regelmässig mit Albert Achermann auf, unter anderem in Frankreich und Deutschland. Das Repertoire beinhaltete eine breite Palette unterschiedlicher Musikgenres, darunter Konzertmusikwerke, Ouvertüren, Opern- und Operettenarrangements, welche auch auf Schallplatten dokumentiert sind. Ein Engagement von besonderer Tragweite war die musikalische Begleitung der Folkloretanzgruppe Walter Saxer im Schweizer Pavillon an der Weltausstellung vom April bis Oktober 1939 in New York.

Ab 1931 lebte er in Zürich, wo er 1940 ein eigenes Unterhaltungsorchester mit neun Mitgliedern gründete, mit dem er oft in Zürcher Restaurants gastierte. Zudem wirkte er während dieser Jahre als musikalischer Leiter des Handharmonika-Clubs Wiedikon, welcher später in Thönis Handharmonika-Orchester Zürich umbenannt wurde. Ab 1941 trat er regelmässig mit seinen beiden Kindern Raymond und Jeanne im Zeughauskeller und im Radio auf, wo auch Aufnahmen entstanden. Als Dank für die vielen Engagements komponierte er den Zeughauskeller-Marsch, der sowohl in der Akkordeonszene als auch im Blasmusikbereich das bekannteste Stück Thönis ist.

In dieser Zeit knüpfte Thöni die ersten Kontakte zu den Blasmusikdirigenten und Komponisten Stephan Jaeggi und Gian Battista Mantegazzi, bei dem er Dirigieren studierte. Thöni besuchte regelmässig die Tonhalle Zürich und tauschte sich mit dem damaligen Chefdirigenten Volkmar Andreae aus. Ausserdem begann Thöni eine rege Tätigkeit als Wertungsrichter und Prüfungsexperte an diversen nationalen und internationalen Wettspielen.

Ab 1944 lebte Thöni wieder in Lausanne und spielte in unterschiedlichen Formationen, so zum Beispiel bei der Groupe Folklorique des Vegnolans zusammen mit dem Tenor Roger Cochard, Robert Laroses Orchestre des Champs et des Bois oder der Fanfare Perce-Oreille. In Lausanne unterrichtete er an einer eigenen Musikschule und leitete ausserdem sein Akkordeonorchester, die Thöni Harmonistes.

Kompositions- und Verlagstätigkeit

Von 1923 bis 1940 arbeitete Thöni als Arrangeur und Komponist für Akkordeonmusik im Verlag Gottlieb Helbling in Zürich. Sein Bekanntheitsgrad stieg nicht zuletzt aufgrund seiner Arrangements von Gustave Dorets Marche solennelle und später Hans Haugs Marche Expo 1964 für Akkordeonorchester.

Neben den zahlreichen Arrangements kamen auch immer mehr Kompositionen Thönis auf den Markt, unter anderem auch Pflichtstücke für das Schweizerische Harmonikawettspiel 1936 in Zürich. Stilistisch hatte er eine Vorliebe für die Spätromantik, vor allem für die sinfonischen Werke von Anton Bruckner und Gustav Mahler.

Maurice Thöni gilt als der erste und bedeutendste Pionier auf dem Gebiet der konzertanten Akkordeonmusik. Seine Partituren mit oft acht oder mehr Stimmen stellten im Vergleich zur bis dahin weitgehend einstimmigen Musik der Akkordeonorchester eine bedeutende Innovation des Genres dar.

Die Anstellung im Verlag Helbling gab Thöni 1940 auf und gründete in Lausanne seinen eigenen Verlag, die Edition Thöni. Zuerst veröffentlichte er vor allem Eigenkompositionen und Arrangements für Akkordeon und Akkordeonorchester. Seine Komposition Alla Polacca wurde 1959 zum Pflichtstück am Eidgenössischen Handharmonika- und Akkordeonmusikfest in Bern gewählt, was seinen Ruf als Akkordeonkomponist weiter festigte.

Ab 1940 begann sich Thöni auch für die Blasmusik zu interessieren und komponierte und arrangierte in diesem Genre für sein eigenes Salonmusik-Ensemble. Als er dann nach der Rückkehr nach Lausanne im Jahre 1944 musikalischer Berater und Akkordeonist des Ensembles Le Folly wurde, schuf er zahlreiche Werke für diverse Blasmusik- und Folkloreformationen.

1976 übergab er seinen Verlag an Gottfried Aegler. Die Edition Thöni wurde zuletzt von Andreas Steiner, accorda Musikverlag in Herzogenbuchsee (BE) übernommen (2015 Sektion Akkordeonmusik; 2023 Sektion Blasmusik).

Akkordeonbau

Bereits 1914 entwarf er Pläne für ein eigenes Akkordeon mit Resonanzkasten und Baritonbässen. 1917 wurde ihm das erste seiner selbst entworfenen Instrumente von dem in Genf wohnhaften italienischen Akkordeonbauer Venazio Morino übergeben. Später entwickelte er ein diatonisches Instrument mit erweitertem Bassmanual auf chromatischer Basis. Dies erlaubte ihm sogar mit dem diatonischen Instrument komplexe Werke in allen Tonarten zu spielen. Schon in den 1920er-Jahren verbesserte er zusammen mit Morino die Bassseite des Akkordeons, was erstmals ein tonhöhenrichtiges Spiel der linken Hand, sowohl was die Grundbässe als auch die Akkorde betrifft, ermöglichte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Morino für Thöni eine diatonische Bassharmonika, welche heute als Thöni-Bass bekannt ist. Mit einem Baritoninstrument, dem sogenannten F-B-Instrument, gelang es Thöni, den orchestralen Klangkörper eines Akkordeonorchesters deutlich zu verbessern, da dieses Instrument die Lücke zwischen Sopran und Bass zu schliessen vermochte. Aufgrund fehlender entsprechender Literatur ist dieses Tenorinstrument heute jedoch verschwunden. Aus der Mode gekommen sind auch die von Thöni konzipierten Es-As-Instrumente. Ausserdem baute Morino diverse Unikate mit speziellen Spieleigenschaften für Thöni.

Rezeption

Kompositionen Thönis wurden in den 1950er-Jahren durch Mitglieder der Garde Républicaine aus Paris unter dem Namen Compagnie du bal champêtre und später durch Gottfried Aeglers Blasmusikensembles auf mehreren Schallplatten eingespielt. Einige seiner Marschkompositionen fanden auch Eingang in die Repertoires verschiedener Militär- und Blasmusikkorps in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Neben dem Zeughauskeller-Marsch, dem Marsch Lausanne und dem preisgekrönten Konzertmarsch Communauté wurde auch sein Marsch Zim Bum 1979 mit einem 1. Preis bei einem französischen Kompositionswettbewerb ausgezeichnet. Die allermeisten Werke veröffentlichte er im eigenen Musikverlag. Noch heute (2026) hört man viele seiner Orchestrationen an den Konzerten von Akkordeonclubs. Maurice Thöni wurde vom Schweizerischen Handharmonikalehrerverband und vom Eidgenössischen Harmonikaverband für sein Schaffen zum Ehrenmitglied ernannt.

Autor/innen: Steiner, Andreas, versione del 16.04.2026

Nachlass / Quellen

Privatarchiv Andreas Steiner (Herzogenbuchsee), Archiv Maurice Thöni – Andreas Steiner (Familiendokumente, Fotos, Portraits und Alben, Zeugnisse, Briefe, Ausweise, Skizzen, Zeichnungen, Handschriften, Notenarchiv, Verträge).

  • Torriani, Roger. «Laudatio zum 75. Geburtstag von Maurice Thöni». [Manuskript].

Verwendete und weiterführende Literatur

  • Festschrift 1. März 1997 «100 Jahre Maurice Thöni». Thun, 1997.
  • «Bescheiden und emotional». Akkordeon Magazin, Ausgabe 06/2010.
  • «Zum 30. Todestag von Maurice Thöni». Die Schweizer Zeitschrift für Blasmusik, Ausgabe 18/2010.
  • Gisler, Roger. «Maurice Thöni: Ein genialer Autodidakt – Leben und Werk». Diplomarbeit Blasmusikdirektion, Musikhochschule Luzern, 2003.

Tondokumente

  • 100 Jahre Maurice Thöni. CD. Rütli Records CD 552.
  • Gottfried Aeglers Lustige Blasmusikanten. CD. Phonoplay PCD 7409.
  • Gottfried Aeglers lustige Blasmusikanten Nr. 1. LP. Phonoplay PLP 3056.
  • Gottfried Aeglers lustige Blasmusikanten Nr. 2. LP. Phonoplay PLP 3122.

Citazione suggerita

Steiner, Andreas: "Thöni, Maurice", in: Dizionario della musica in Svizzera, Versione del: 16.04.2026. Online: http://mls-dms.ch/view/thoeni-maurice-Hwrb. Consultato il 22.04.2026.