Cellist, Pianist, Komponist, Musiklehrer

Dino Ghisalberti auf einer Abbildung in Richard Flury, Lebenserinnerungen (Derendingen: Habegger, 1950), Tafel vor S. 177. Foto von Anna Schwienbacher-Horat.
*25.02.1891 in Bergamo (IT), †05.01.1949 in Solothurn, römisch-katholisch, von Bergamo, ab 1934 von Kriegstetten (SO). Taufnamen: Candido Sigismondo Giuseppe Felice, Allianzname: Ghisalberti-Augustin. Sohn des Giovanni Batta und der Teresa geborene Questi. ⚭1921 Anna Emilie Augustin (30.05.1901–25.03.1956), von Brunnenthal (SO; heute Messen SO). Vater der Marisa Gloria Klara (*1930), und des Danilo Batta (*1933).
Ghisalberti wuchs in Bergamo auf und besuchte dort das Konservatorium des Istituto superiore studi musicali Gaetano Donizetti. Danach studierte er am Conservatorio di musica Giuseppe Verdi in Mailand, wo er die Ausbildung mit Auszeichnung abschloss. Ab 1910 entstanden erste Kompositionen. 1914 erhielt er den Premio Bonetti für sein Werk La buccina d’oro – Scene liriche nach einem Libretto von Luigi Orsini.
Nachdem er sich seit 1914 als Pianist von Salonorchestern in der Schweiz aufgehalten hatte, leistete er während des Ersten Weltkriegs als Offizier Dienst bei den Alpini und wurde in den Dolomiten verwundet. Eine in Ghisalbertis Nachlass aufbewahrte Partitur weist auf eine sonst nicht dokumentierte Kriegsgefangenschaft im Jahr 1918 hin (ZBS NL GHI_D 39). Nach dem Krieg hielt er sich, vermutlich zur Genesung, in Venetien, Bergamo und im Südtirol auf, wo er Gedichte Goethes vertonte. Anschliessend kehrte er als Cellist in Salon- und Stadtorchestern in die Schweiz zurück. 1922 verheiratete er sich mit Anna Emilie Augustin und liess sich in Solothurn nieder. Ghisalberti besuchte mit seinem Musikerkollegen Richard Flury (1896–1967) und vielen bildenden Künstlern in den 1920er Jahren regelmässig den Stammtisch des «Künstlerstübli» in einem Restaurant der Altstadt Solothurn.
In Solothurn und Umgebung war er vielfältig musikalisch tätig. 1928–1929 war er Dirigent der Stadtmusik Olten; später wurde er Vizedirigent des Cäcilienvereins Solothurn und dirigierte gelegentlich auch das Orchester des Städtebundtheaters Biel-Solothurn. In letzterem wirkte er zusätzlich als Cellist, wie auch in der Solothurner Kammermusikvereinigung, im Stadtorchester Solothurn und im dortigen Kammerorchester, an dessen Gründung 1936 er beteiligt war. Als Klavierbegleiter war er unter anderem 1929 am Festival Richard Flury zusammen mit der Sängerin Berthe de Vigier zu hören. Er wirkte daneben als Privatlehrer für Klavier, Cello, Gesang und Violine. Nach seiner Einbürgerung wurde er 1934 Lehrer für Cello an den städtischen Musikschulen, 1937 Lehrer für Klavier an der Kantonsschule. Er war Mitglied des Schweizerischen Musikpädagogischen Verbands SMPV. Der spätere Komponist und Musiklehrer Alban Roetschi (1922–2015) zählte zu seinen Schülern. Ghisalbertis Bedeutung als Cellist und als Pianist sowie seine Unterrichtstätigkeit fanden breite Anerkennung. Sein Freund Richard Flury schildert ihn als hochbegabten Musiker, der «seine künstlerischen Gaben verschwenderisch» spendete (Flury 1950, S. 219).
Daneben schuf Ghisalberti ein umfangreiches kompositorisches Oeuvre, welches über 370 Kompositionen und 160 Überarbeitungen fremder Werke für Violoncello solo umfasst. Seine Kompositionen waren in ihrer «reichen, spätromantischen Harmonik zweifellos von den führenden italienischen Opernkomponisten seiner Zeit wie etwa von Puccini und Mascagni beeinflusst», doch er brachte sie «höchst selten [...] zur Aufführung.» (Flury 2002). Ghisalberti komponierte musiktheatralische Werke, Lieder, Orchesterwerke, Kammermusik, Klavierwerke und Musik für Violoncello solo. Seine Sonatine für Cello und Klavier in drei Sätzen wurde am 01.12.1939 vom Radiostudio Bern mit dem Komponisten am Klavier ausgestrahlt.
In seinen späteren Lebensjahren führten ein Herzleiden und Überarbeitung zu einem gesellschaftlichen Rückzug Ghisalbertis. Sein vorzeitiger Tod, ein Suizid während eines Anfalls von Angina pectoris, erschütterte seine Umgebung. Anlässlich des Trauergottesdienstes in der St. Ursenkathedrale erwies man ihm die letzte Ehre mit musikalischen Darbietungen. Die Kantonsschule, die Stadtschulen, der Cäcilienverein, das Solothurner Kammerorchester und der Musikpädagogische Verband bestritten am 23.01.1949 in der reformierten Stadtkirche ein Gedenkkonzert für den «zutiefst musikalischen Menschen» (Solothurner Zeitung, 10.01.1949). Richard Flurys Sohn Urs Joseph, das Solothurner Kammerorchester und die Richard-Flury-Stiftung haben Ghisalbertis Werke verschiedentlich aufgeführt und einiges auf CD erscheinen lassen.
Verena Bider: "Ghisalberti, Dino", in: Musiklexikon der Schweiz, Version vom: 04.03.2026. Online: http://mls-dms.ch/view/ghisalberti-dino-9J3x. Konsultiert am 07.03.2026.