Dictionnaire de la
musique en Suisse

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Meister, Casimir

Komponist und Kirchenmusiker

* 22.11.1869 in Matzendorf (SO), † 22.12.1941 in Solothurn (SO), katholisch, von Matzendorf und Solothurn, Sohn des Johann Joseph Meister (1832–1871) und der Maria geborene Strähl (1839–1869). ⚭ 1894 Marie Dinichert (1869–1949). Vater von Georg Casimir (1895–1969), von Margarite Cécile Michaud (1898–unbekannt), von Paul Robert (1903–1903), von Helena Marie (1905–1991), Domorganistin und Klavierlehrerin in Solothurn, und von Maria Theresia (1909–1994).

Im Alter von 18 Monaten Vollwaise, wuchs Meister bei seinem Onkel und späteren Adoptivvater Johann Georg Meister (1830–1904), Postverwalter in Murten, und dessen Ehefrau Elisabeth Meister geborene Gisi (1824–1904) auf. Freundschaftliche Beziehungen des Onkels mit Solothurner Geistlichen, dem Dompropst Friedrich Xaver Odo Fiala (1817–1888), Stadtpfarrer, und dem Domdekan Josef Eggenschwiler (1836–1908) sind belegt. Meister besuchte die Primarschule in Murten (FR). Während dieser Zeit erhielt er eine erste musikalische Ausbildung am Harmonium, am Klavier und an der Violine. 1884–1887 besuchte er das Gymnasium der Klosterschule Einsiedeln (SZ), wo er seine musikalische Ausbildung vertiefte und in die katholische kirchenmusikalische Praxis eingeführt wurde. Er trat ohne Matur nach der 5. Klasse aus der Klosterschule aus. Nach Beratung des Onkels mit dem Kapellmeister und Musiklehrer des Klosters, Pater Basilius Breitenbach (1855–1920), entschied sich Meister zu einer Ausbildung als Musiker. Erste Studien absolvierte er in Lausanne am Institut de musique bei Carl Eschmann-Dumur (Klavier) und Charles Blanchet (Orgel). Danach setzte er 1889–1891 seine Studien in München an der Königlichen Musikschule fort, wo er die Spezialfächer Klavier (Heinrich Schwartz), Kontrapunkt (Joseph Rheinberger) und die obligatorischen Fächer Chorensemble und Musikgeschichte belegte. 1891 schloss er die Ausbildung mit einem Absolutorial-Zeugnis der Königlichen Musikschule in München als Musiklehrer ab. Anschliessend setzte er seine Studien am Conservatoire national de musique in Paris in der Kompositionsklasse von François-Clément-Théodore Dubois fort. Meister bezeichnete auch Charles-Wilfrid de Bériot und Charles-Marie Widor als seine Lehrer. 1892 schloss er mit dem Certificat d’élève du Conservatoire national de musique et de déclamation ab. Aufbauend auf der musikalisch-handwerklichen Ausbildung in München, wurde Meister in Paris mit den Werken wichtiger Vertreter der musikalischen Moderne vertraut.

Zwischen 1892–1894 hatte Meister eine erste Anstellung als Musikdirektor in Bulle (FR) inne. Beeindruckt von der Greyerzer Volksmusik, veröffentlichte er 1894 eine Sammlung von 51 Chants et Coraules de la Gruyère. Im selben Jahr wechselte er als Organist und Chorleiter nach Glarus, wo er Leiter des Männerchors, des Gemischten Chors, des Orchesters und Organist der evangelischen Kirchgemeinde war. 1898 wurde er als Gesanglehrer an die städtischen Schulen von Solothurn berufen, wo er als Leiter des dortigen Cäcilienvereins und des Männerchors (bis 1921), und als Domkapellmeister (1922–1941) tätig war.

In kompositorischer Hinsicht stand für den gläubigen Katholiken die Kirchenmusik in ihren verschiedensten Besetzungen – mit einem Schwerpunkt auf der Vokalmusik – im Vordergrund. Seit dem Aufenthalt im Greyerzerland und der Veröffentlichung der Liedersammlung bildete jedoch auch die Volksmusik einen Schwerpunkt in Meisters musikalischen Tätigkeiten. Er vertonte Mundartgedichte, zeigte aber auch ein Interesse an Dichtungen des Jugendstils und an patriotischen Texten. Bekannt wurden seine Vertonungen von Gedichten solothurnischer Autoren, wie jene von Carl Robert Enzmann (1888–1931), dem Dichter des «Solothurner Liedes», und vor allem von Josef Reinhart (1895–1959), dem Mundartschriftsteller und späteren Seminarlehrer.

Die 1913 erstmals aufgeführten Liedli ab em Land wurden in der Zeit der Heimatschutzbewegung und der Geistigen Landesverteidigung breit rezipiert und unter anderem am Solothurner Tag der Landesausstellung 1939 mit Casimir Meister am Klavier aufgeführt. Die Verwendung der Melodie von «D’Zyt isch do» als Pausenzeichen von Radio Bern trug zur weiteren Verbreitung von Meisters Reinhart-Liedern und zu ihrer Wahrnehmung als Volks- und Schullieder bei. Meisters Vertonungen zeichnen sich durch eine klare Satztechnik aus und haben eingängige, moderat gefühlvolle Melodien, die leicht zu singen und zu begleiten sind. In der Volksmusikszene und im schulischen Kontext fanden sie weite Verbreitung. Meisters umfangreiches Œuvre weltlicher und kirchlicher Musik zeugt von einer soliden musikalischen Bildung. Seine weltliche Musik, einer spätromantischen, gemässigt modernen Harmonik verpflichtet, folgt meist klassischen Formen. In seiner Kirchenmusik pflegte er, auf die Tradition aufbauend, eine gravitätischere Ästhetik.

Fachlichen Austausch pflegte Meister mit Musikerkollegen aus Solothurn wie Richard Flury (1896–1967) und Dino Ghisalberti (1891–1949). Mit seinem Einsiedler Musiklehrer Pater Basilius Breitenbach korrespondierte er bis kurz vor dessen Tod. Zum gesellschaftlichen Leben der Kantonshauptstadt fand Meister früh Zugang. Sein erfolgreiches Wirken öffnete ihm die Türe zur Töpfergesellschaft Solothurn, einer Vortragsgesellschaft, die ihn 1903 und 1905 zu Referaten über Bach und Händel einlud. Die gedruckten Fassungen der Vorträge gab er im Eigenverlag heraus. 1937 wurde er Mitglied der Bruderschaft der Romaner, einer Vereinigung, die geistlichen und weltlichen Solothurnern der Oberschicht offenstand, die eine Wallfahrt nach Rom unternommen hatten.

Meisters Chöre wurden mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet; er amtete selbst als Kampfrichter an kantonalen, ausserkantonalen und eidgenössischen Sängerfesten, war Ehrenmitglied des Cäcilienvereins und des Männerchors Solothurn sowie des Gesangvereins Olten. Gedenktafeln in seinem Geburtsort Matzendorf und im Schulhaus Hermesbühl in Solothurn erinnern an ihn; sein Grab liegt in Muntelier (FR).

Solothurner Kirchenmusiker wie der ehemalige Domorganist Bruno Eberhard, früher zusammen mit der Organistin Hanni Widmer, führten Werke von Meister auf. Der Komponist und Dirigent Urs Joseph Flury programmiert regelmässig Werke von Meister mit dem Solothurner Kammerorchester, wovon einige Aufnahmen vorliegen. Die Fachstelle Kirchenmusik des Kantons Solothurn hat Hans-Rudolf Binz mit der Neuedition sämtlicher Orgelwerke beauftragt und setzt sich für die Aufführung von Meisters Chorwerken ein.

Auteur(s): Verena Bider, dernière modification 10.04.2026

Nachlass / Quellen

  • Zentralbibliothek Solothurn, Nachlass Meister, Casimir, Signatur ZBS NL MEI C. Enthält neben Notenmanuskripten Zeugnisse sowie biographische Angaben von der Hand Meisters.
  • Archiv des Benediktinerklosters Einsiedeln (SZ).

Verwendete und weiterführende Literatur

  • Artikel «Meister, Casimir». In Bayerisches Musikerlexikon online. 2016. http://www.bmlo.lmu.de/m0529.
  • Binz, Hans-Rudolf. «150. Geburtstag: Casimir Meister (1869-1941): Der Schöpfer von ‹D’Zyt isch do› als Orgelkomponist». Musik und Liturgie, 2019, 6.
  • «Casimir Meister, der weltbekannte Solothurner Musiker, ist als Gesanglehrer der städtischen Schulen zurückgetreten». Der Bund, 09.10.1934.
  • Dürrenmatt, Hans-Rudolf. «Casimir Meister (1869–1941): ein bedeutender Solothurner Komponist: Anmerkungen zu seinem Leben und Werk.» Bulletin der Gesellschaft für Volksmusik in der Schweiz, (2010): 6–13.
  • Gutknecht-Mäder, Ueli. «‹D Zyt isch do, d Zyt isch do ... ›: der Solothurner Komponist Casimir Meister liegt im Friedhof Muntelier begraben.» Freiburger Volkskalender (1991).
  • Schubiger, Viktor. «Es Gedänke bi der Abringig vo dr Casimir-Meister-Tafele». Solothurner Nachrichten, 21.11.1972.

Publikationen

  • Meister, Casimir und Joseph Reichlen. Chants et coraules de la Gruyère. Leipzig: C.G. Röder, 1894.
  • Meister, Casimir. Joh. Seb. Bach und sein Weihnachtsoratorium. Solothurn: Zepfel’sche Buchdruckerei, 1905.
  • Meister, Casimir. Georg Friedrich Händel: sein Leben und Wirken. Solothurn: Zepfel’sche Buchdruckerei, 1905.

Tondokumente

  • In den Beständen der Schweizerische Nationalphonothek liegen zahlreiche Tondokumente mit Musik Meisters, die über Abhörstationen abrufbar sind (siehe Links).
  • Weitere Tondokumente, welche zum Teil nicht kommerziell veröffentlicht wurden, sind in der Zentralbibliothek Solothurn aufbewahrt.

Werke

  • Bekannt sind 306 Werke: Geistliche Vokalmusik (90 Nummern), Weltliche Vokalmusik (160 Nummern), dazu Orchesterwerke, Kammermusik, Musik für Tasteninstrumente, Blasmusik, Bearbeitungen und zu Unterrichtszwecken (Dürrenmatt 2009).
  • Casimir Meister: Orgelwerke, herausgegeben von Hans-Rudolf Binz. Olten: Fachstelle Kirchenmusik Kanton Solothurn, 2021.
  • Dürrenmatt, Hans-Rudolf. Casimir Meister 1869–1941: Verzeichnis der handschriftlichen und gedruckten Werke in der Zentralbibliothek Solothurn. Solothurn: Zentralbibliothek Solothurn, 2009. http://www.zbsolothurn.ch/verzeichnisse/Casimir-Meister-Werkverzeichnis.pdf.

Suggestion de citation

Verena Bider: "Meister, Casimir", in: Dictionnaire de la musique en suisse, Version du: 10.04.2026. En ligne: http://mls-dms.ch/view/meister-casimir-er4E. Consulté le 14.04.2026.